No Risk No Future – die Zukunft des Kapitalmarkts

Konzepte für einen zukünftsfähigen Kapitalmarkt

Aufschwung Austria rückte bei der gestrigen Veranstaltung den Kapitalmarkt in den Fokus und damit ein Thema, das besonders seit der letzten Finanzkrise zu Unrecht negativ behaftet ist. Rund 70 Gäste folgten der Einladung von Matthias Strolz, dem Initiator der überparteilichen Wirtschaftsinitiative Aufschwung Austria, ins Museumsquartier, um mit Expert_innen aus Wissenschaft und Praxis über die zukunftsfähigen Konzepte für den österreichischen Kapitalmarkt zu diskutieren.

Nach der Keynote von Dr. Richard Franz ging das Podium mit Angelika Sommer-Hemetsberger (Vorstandsmitglied OeKB), Univ. Prof. Engelbert Dockner (WU Wien), Stefan Dörfler (designierter CEO Erste Bank), Helmut Ettl (Vorstand FMA) und Michael Schuster (Partner Speedinvest) den Fragen nach, wie man den Kapitalmarkt stärken und wieder zu einem positiverem Image verhelfen kann. Durch den Abend führte die Journalistin Angela Sellner.

Eine funktionierende Wirtschaft benötigt funktionierende Kapitalmärkte

Zu Beginn der Diskussion verständigte man sich schnell, dass eine gut funktionierende Wirtschaft auch einen funktionierenden Kapitalmarkt braucht. Während das österreichische Bankwesen zur Beschaffung von Fremdkapital gut funktioniert, so FMA Vorstand Helmut Ettl, gibt es bei der Beschaffung von Eigenkapital noch großen Aufholbedarf. In der Tat ist das Bankwesen am österreichischen Kapitalmarkt dominant und vielen Unternehmen mangelt es an Finanzierungsalternativen. Gerade rasch wachsende Start-Ups und KMUs sind davon, etwa bei einer Anschlussfinanzierung, betroffen. Der Risikokapitalmarkt in Österreich ist deutlich unterentwickelt und beträgt lediglich 0,03% des BIP, während sich der europäischen Durchschnitt bei 0,3% des BIP einpendelt. Speedinvest-Partner Michael Schuster führt den Grund für den kleinen Risikokapitalmarkt auch auf die, im internationalen Vergleich, schlechten Rahmenbedingungen für Start-Ups an.

Dem Kapitalmarkt eilt ein schlechter Ruf voraus

Dass die Gesellschaft ein negatives Bild vom Kapitalmarkt hat, liegt auch daran, dass dessen Funktion in der Öffentlichkeit unklar ist, schließt Univ. Prof. Engelbert Dockner. Er verweist zur Abhilfe auf das für ihn grundlegendste Konzept für einen zukunftsfähigen, starken Kapitalmarkt: Finanzbildung (financial literacy). Ein Ergebnis der fehlenden Finanzbildung sind die bevormundenden Regularien auf Seiten der privaten Investoren, fügt Angelika Sommer-Hemetsberger, Vorstandsmitglied OeKB, hinzu.

Markttransparenz am Kapitalmarkt gefordert

Stefan Dörfler, designierter CEO Erste Bank, bringt es auf den Punkt: „Es braucht strenge, transparente und einfache Regeln.“ Unisono wurde der Appell an den Gesetzgeber gerichtet, Markttransparenz zu schaffen, um den Kapitalmarkt zu stärken.

Fazit des Abends: Österreich ist mitten in der Entwicklung des Kapitalmarktes. Eine starke Wirtschaft benötigt eben auch einen starken Kapitalmarkt.