Lebenslanges Lernen neu gedacht

Wien, am 4. April 2017 – Ein Höchststand an offenen Stellen und gleichzeitig die höchste Arbeitslosigkeit seit 1950, zeigen die paradoxe Entwicklung am Arbeitsmarkt. Anlass genug für Matthias Strolz, Initiator der überparteilichen Wirtschaftsinitiative Aufschwung Austria, führende Expert_innen aus Wirtschaft und Politik einzuladen, um über längst fällige Lösungen im Bereich der Erwachsenenbildung zu diskutieren. Zahlreiche Gäste sind der Einladung ins Boutique Hotel Altstadt gefolgt, um angeregt mitzudiskutieren.

Am Podium erörterten Thomas Sattelberger (ehem. Personalvorstand in drei DAX Unternehmen und FDP Bundestagskandidat), Peter Schlögl (öibf) und Matthias Strolz  notwendige politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die es braucht um die berufsbezogene Erwachsenenbildung anzutreiben. Durch den Abend führte Journalistin Karin Bauer („Der Standard“).

Nur wenn alle mitspielen, kann etwas bewegt werden

„Die Erwachsenenbildung kann im Gegensatz zum Schul- und Hochschulwesen nur funktionieren, wenn es ein Zusammenspiel zwischen Individuum, Unternehmen und Staat gibt“, so Matthias Strolz. Dazu gehören Transparenz, eine Bündelung der zurzeit 318 (!) verschiedenen Aus- und Weiterbildungsangebote, sowie verstärkte Anreize, um in die Erwachsenenbildung proaktiv zu investieren. Zurzeit kommt in Österreich ein Großteil des für Aus- und Weiterbildung veranschlagten Budgets erst zu tragen, wenn man arbeitslos ist. Daher ist bei der Neukonzipierung ein Ansatz zu verfolgen, der Erwerbstätigen bereits im Berufsalltag die Chancen zur Weiterbildung schmackhaft macht. Thomas Sattelberger dazu: „Die Erwachsenenbildung leidet vor allem in Klein- und Mittelbetrieben und das ist zu einem großen Teil den schlechten Rahmenbedingungen geschuldet. Auch die alleinige Fixierung auf die Schulbildung ist zu wenig, um auf die raschen Veränderungen am Arbeitsmarkt adäquat reagieren zu können.“

Wer ist dafür zuständig?

Durch die Gebietskörperschaften kommt es zu einer starken Fragmentierung der Erwachsenenbildung. „Neben Partikularinteressen und der Vielzahl an Förderungen muss die Erwachsenenbildung endlich stärker in den politischen Diskurs gerückt werden“, empfiehlt Peter Schlögl. Denn der geringe Stellenwert, den Erwachsenenbildung in der Gesellschaft hat, hängt auch damit zusammen, dass diese gesetzlich nicht klar geregelt ist, war sich das Podium unisono einig.

Fazit des Abends: Erwachsenenbildung ist ein politisch brachliegendes Feld, das aus wirtschaftlicher und arbeitsmarktpolitischer Sicht großes Potential birgt und daher einen höheren politischen Stellenwert verdient.