Digital Economy als Wirtschaftstreiber der Zukunft?

Digital Economy als Wirtschaftstreiber der Zukunft?

Aufschwung Austria rückte gestern „Digital Economy als Wirtschaftstreiber der Zukunft?“ in den Fokus der Veranstaltungsreihe Digitalisierung. Zahlreiche Gäste folgten der Einladung von Matthias Strolz, dem Initiator der überparteilichen Wirtschaftsinitiative Aufschwung Austria, in das Haus der Europäischen Union.

Nach der Keynote von MEP Angelika Mlinar, erörterten MEP Kaja Kallas (Mitglied im ITRE-Ausschuss), Stefan Klestil (Partner Speedinvest), Michael Kräftner (CEO Celum GmbH) und Jörg Wojahn (Leiter der EU Kommissionsvertretung) die nötigen politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die es auf europäischer und nationaler Ebene braucht, um die „Digital Economy“ voranzutreiben. Margaret Childs moderierte launig und führte im Anschluss die angeregte Diskussion mit dem Publikum.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen suboptimal

Im Vergleich zu den USA und aufstrebenden Staaten in Asien hinkt die Europäische Union im Transformationsprozess der Digitalisierung weit hinterher. Lediglich 15% der Konsument_innen kaufen grenzüberschreitend ein und nur 7% der KMUs verkaufen über die Grenzen hinaus. Mit dem Ziel eines Digital Single Markets wurden auf europäischer Ebene bereits die ersten Weichen für einen digitalen Binnenmarkt gestellt. Stefan Klestil betont den auf nationaler Ebene weiterhin bestehenden Aufholbedarf und fordert die Entrümpelung der veralteten Gewerbeordnungen in Österreich.

Fail – but fail fast

Neben den erwähnten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, als Grund fehlender Innovation, sind Mentalität und der Mut zum Scheitern ins Zentrum der Diskussion gerückt. „In Europa fehlt schlicht die Risikobereitschaft für Unternehmensgründungen und so wird Aufschwung durch Unternehmertum nur wenig forciert beziehungsweise im Bildungsbereich noch gar nicht berücksichtigt“, so Michael Kräftner. Die fehlende Akzeptanz des Scheiterns ist, neben der ohnehin geringen Risikobereitschaft, nur ansatzweise in der österreichischen Gesellschaft verankert. Dabei handelt es sich um zwei wesentlichsten Faktoren für Innovationen. Kaja Kallas bringt es auf den Punkt: „Fail, but fail fast“ – als Ziel einer innovativen Wirtschaft. Denn neben der Akzeptanz des Scheiterns bedarf es auch der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die eine schnelle Insolvenz ermöglichen, um sich wieder auf neue Ideen und Innovationen zu konzentrieren.

Die digitale Transformation kommt an

Auf die Frage hin, was es für die Initialzündung der digitalen Wirtschaft noch benötigt, wurden digitale Identität, technische Infrastruktur und Bildung hervorgehoben. Speziell in der Bildung wurde man sich schnell einig, dass es in den MINT – Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) noch zu wenige Absolvent_innen gibt und hier Aufholbedarf herrscht. Fazit des Abends, der in einem gegenseitigen Austausch und Netzwerken mündete: Die Politik muss sich von der stiefmütterlichen Behandlung des Themas Digitalisierung verabschieden, akzeptieren, dass die digitale Transformation bereits in der Wirtschaft und Gesellschaft angekommen ist und auch entsprechend danach handeln.